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Schloss Dhaun

Die nachvollziehbare rund 800 jährige Geschichte des Schlosses beginnt mit der urkundlichen Erwähnung eines "castrum de Dune" (Burg auf der Höhe) im Jahr 1215. Erbauer der Burg waren Angehörige aus der Familie der Wildgrafen.Die Burgen Dhaun und Kyrburg lagen exponiert und strategisch günstig, denn von dort aus kon-nten die Pässe zwischen Nahe und Mosel kontrolliert werden.

Ein Ausbau und eine stärkere Befestigung der Burg erfolgten im 15./16. Jahrhundert. Aus dem 16. Jahrhundert stammt das Obertor, dessen Erbauungsjahr 1526 im Mauerwerk ablesbar ist. Am Obertor wird der Wehrcharakter der Burg (Pechnase, Schildmauer) ebenso sichtbar wie an den Bastionen. Die ornamentale Gestaltung des Torbaus zeigt gleichzeitig, dass außer dem Schutz- und Wehrbedürfnis der repräsentative Charakter der Bauten zunehmend eine Rolle spielte und neben dem Groben das Filigrane Bedeutung erhielt.

Der Umbau der Burg zum Schloss vollzog sich im 17./18. Jh., als Dhauner Wild- und Rheingrafen mit Töchtern aus dem Hause der Grafen von Nassau-Saarbrücken verheiratet waren. Es kam zur Errichtung von mehrstöckigen Flügelbauten auf der Süd- und Westseite der Oberburg, die zusammen mit einem älteren Neubau auf der Nordseite eine hufeisenförmige Bauanlage im Stil eines barocken Schlosses ergaben. Zum Schloss gehörte auch ein Park, der unterhalb der Bastionen anstelle des jetzigen Parkplatzes angelegt war. Von dem Bau der Nordseite, dem heutigen Rittersaal, ist der alte Eingang noch erkennbar sowie das Familienwappen der Erbauer (16. Jh.). Vom Bau der Südseite sind die Überreste der St.-Georgskapelle (Einweihung 1661) noch zu sehen, und vom Westflügel, der 1729 vollendet wurde, ist das Eingangsportal erhalten. Dort sind die Namen und Titel der Erbauer ebenso im Mauerwerk eingearbeitet wie das sog. "Kanzelkindchen" aus der ehemaligen Kapelle, eine Sandsteinplastik als Allegorie auf das Leben und den Tod.

Noch ein paar Ausführungen zu den Erbauern des Schlosses: Wild- und Rheingraf Karl starb bereits vier Jahre nach Baufertigstellung 1733 im Alter von 58 Jahren. Seine Frau, damals 47 Jahre alt, erreichte das fast biblische Alter von 87 Jahren, obwohl sie doch viele Schicksalsschläge zu ertragen hatte. Sie war Mutter von elf Kindern. Die ersten neun Kinder waren ausschließlich Mädchen. Sie gebar dann noch zwei Söhne, wovon der erste bereits früh, der andere mit 18 Jahren verstarb. Durch den polnischen Erbfolgekrieg, der zwischen Österreich und Frankreich geführt wurde, drohte ihr 1734 die Zerstörung des Schlosses, wie es bei der Kyrburg geschehen ist. Sie konnte das durch Intervention in Paris verhindern, indem sie sich darauf berief, dass ihr Mann französischer Offizier gewesen sei. Die Stelle ihres Mannes nahm ihr Amtmann Weyer ein, der die Geschäfte führte und die Dame auch sonst unterstützte. Zum Dank ließ sie ihm ein Wohnhaus errichten, das heutige "Historische Gasthaus zur Burg". 
 
 
Mit der Burgenherrlichkeit und feudalen Verwaltungsorganisation war es dann 1794 vorbei, als französische Revolutionstruppen den Naheraum eroberten und die neuen Herren auch eine neue Ordnung kreierten. Dabei wurden die Säulen der alten Ordnung, die Burgen, ihrer alten Funktion enthoben. Schloß Dhaun wurde in französischen Staatsbesitz überführt, dann versteigert. Ein Relikt aus dieser Zeit ist die sog. Freiheitslinde", die 1798 gepflanzt wurde. Die Burg Dhaun verlor als Instrument der Verwaltung ihre Funktion. Sie wurde für eine Zeitlang zu einer Art Großhandlung für Baustoffe. Der in französischen Verwaltungsdiensten stehende Souspräfekt des Arrondissements Simmern ein Herr van Recum, hatte für ca. 1200 Franken das Schloss ersteigern und die brauchbaren Bauteile zur Kauzenburg und dem Dessauer Hof in Kreuznach bringen lassen. Den restlichen Zerfall besorgten die Einwohner der Dörfer, die sich der behauenen Steine zur Befestigung ihrer Häuser gerne bedienten. 
 

Dem weiteren Zerfall der Ruine wurde Mitte des 19. Jhs. Einhalt geboten, als ein Trierer Arzt, Dr. Wahrendorf, einen Teil der Burg erwarb und mit Instandsetzungen begann. Aus dieser Zeit stammen die Bauelemente am Eingangstor. Seine Erneuerungsarbeiten waren von romantisierenden Vorstellungen einer Burg geprägt, wie der märchenhafte Charakter der Zinnen und Aufbauten ziemlich deutlich macht. Es kam dann noch zu weiteren Besitzwechseln von Privatleuten, bis um die Jahrhundertwende der Kirner Fabrikant Simon (Lederfabrik, heute Kunststofffabrik Simona) das Schloss erwarb und auf der Oberburg verschiedene Neugestaltungen und Renovierungen vornahm. Anstelle der Ruine des Nordflügels wurde unter Verwendung älterer Bauteile der Rittersaal erbaut. Von den Simons wurde auch die Figur des Prometheus erworben, die der Kreuznacher Bildhauer Robert Cauer der Ältere 1888 in Rom geschaffen hatte.
 
 
Von den Simons ging das Schloss 1954 an den damals gegründeten "Zweckverband Schloß Dhaun" über, der von der Stadt Kirn, dem damaligen Amt Kirn-Land und dem Landkreis Kreuznach gebildet wurde und von nun an die Anlagen unterhielt. Vom damaligen Amtsbürgermeister Wilhelm Dröscher, dem späteren Bundestagsabgeordneten und Schatzmeister der SPD (1920-77), angeregt, wurde 1957 das Schloss Sitz der "Heimvolkshochschule Schloß Dhaun", eine Jugend- und Erwachsenenbildungsstätte, die bis heute besteht. In den 70 er Jahren ließ der Zweckverband die Ruine des Westflügels zu einem stattlichen Gebäude ausbauen, das heute Unterkunftsräume und Verwaltung der Heimvolkshochschule und Kommunalakademie Rheinland-Pfalz beherbergt. Die Kommunalakademie führt seit 1991 Fortbildungslehrgänge für den Bereich der kommunalen Selbstverwaltung auf Schloß Dhaun durch. Über Einzelheiten des Bildungs- und Kulturangebotes auf dem Schloss werden Frau Wigger und Herr Dahm Auskunft geben. Zu erwähnen bleibt, dass der Landkreis Bad Kreuznach auf Dhaun eine Jugendbildungsstätte unterhält. Die einst hochherrschaftliche Burg der Feudalzeit hat sich also zu einer Lernburg der Neuzeit gewandelt.